Friedrich Kneidinger

„Neugierde ist der größte Motivator und Antreiber”

von Friedrich Kneidinger, 3. Oktober 2015

Polizeibeamter, Offizier oder Physiker – so stand es auf meinem Poster beim Berufsinteressentest aus der 7 Klasse. Nach einem freiwilligen Jahr beim österreichischen Bundesheer hatte sich aber mein Interesse für die Physik deutlich durchgesetzt. Zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Zu verstehen, wie Menschen funktionieren. Ich glaube diese Neugierde ist der größte Motivator und Antreiber, den man benötigt.

Aus diesem Grund habe ich mich auch weiter in Physik vertieft und meine Diplomarbeit bei der Firma AREVA im Bereich der theoretischen und angewandten Kernphysik geschrieben. Ein spannendes Thema, aber nach 10 Monaten war für mich auch hier wieder ein Zeitpunkt erreicht, etwas Neues zu entdecken. Ich wollte immer schon forschen und so startete ich mit meiner Promotion im Bereich der Festkörperphysik, um mich auf Supraleiter mit nicht-zentrosymmetrischer Kristallstruktur zu vertiefen. Relativ früh war mir jedoch bewusst, dass ich auf Dauer nicht im akademischen Bereich verbleiben möchte und ich mich noch intensiver in wirtschaftliche Themen hineinversetzen möchte. So schloss ich neben der Promotion mein Bachelorstudium in BWL an der WU ab.

Während meines Studiums konnte ich durch mehrere Workshops bei Unternehmensberatungen meinen ersten Eindruck über diese revidieren. Es sind hier doch nicht nur eingebildete Leute, sondern es sind genauso Menschen wie du und ich. Aus meiner Erfahrung beim Bundesheer war für mich nochmal entscheidender zu wissen, dass ich am liebsten mit motivierten, intelligenten Leuten zusammenarbeiten möchte, mit denen man alle Hindernisse gemeinsam überwinden kann. Diese habe ich bei McKinsey für mich gefunden. Sei es nun der gemeinsame Teamsport, oder dass wir beim letzten Projekt unseren Projektleiter immer mit Kinderschokolade mästen wollten, ich habe hier viele Leute kennengelernt mit denen ich jederzeit auf ein Bier gehen, oder ihnen beim Umzug helfen würde. Ich glaube das ist das Entscheidende: Man muss seine Arbeit und sein Studium gerne machen und das funktioniert immer nur mit entsprechendem Ausgleich. Die Tätigkeit bei McKinsey ist einfach zu beschreiben: Wir lösen Probleme anhand eines strukturierten Vorgehens. Das heißt wir definieren erst die Fragestellung welche wir lösen wollen, priorisieren die möglichen Optionen dafür und starten dann in eine tiefgreifende Analyse mit anschließender Aufbereitung unseres Ergebnisses. Das passt für mich als Physiker auch sehr gut, bis auf das, dass die Wirtschaft keine Naturwissenschaft ist und es eben viele sehr gute Lösungen gibt, aber nicht die einzige richtige Lösung.

Was möchte ich den Studierenden mitgeben? Genießt Euer Leben und das klappt am besten, wenn man das tut, was einem Spaß macht. Es wird IMMER Durchhänger geben und da muss man manchmal reinbeißen – jedoch ist es völlig ok ein Studium einmal abzubrechen, nur um dann in seinem Traumstudium richtig durchzustarten. Macht das, was euch selber Freude macht und ihr werdet gut sein und seht auch das weitergehende Ziel.

Gute Jobs sind sehr begehrt und manchmal (berechtigt oder nicht) werden dafür Kriterien wie Noten und Praktika in letzter Instanz herangezogen. Es wäre dann sehr schade, wenn man sein Ziel nur deshalb nicht erreichen kann. Das heißt aber gerade nicht, dass ihr 24h am Tag nur studieren sollt, sondern genießt und nehmt euch aktiv eure Freizeit und holt euch dort die Energie, die ihr benötigt!